Was ist Gewaltfreie Kommunikation (GFK)?

 Vielen ist die Gewaltfreie Kommunikation (GFK) entweder aus der

bedürfnis- und bindungsorientierten Kindererziehung oder aus dem Bereich der Konfliktlösung bekannt.
Dass sich das in den 1960er Jahren von dem US-amerikaischen Psychologen Marshall B. Rosenberg entwickelte Konzept aber auch hervorragend für die Persönlichkeitsentwicklung, die Visions- und Zielarbeit, die Verbesserung der Work-Life-Balance und den Aufbau von stabilen, wertschätzenden Beziehungen eignet, wissen die wenigsten!

 

Für mich ist die Gewaltfreie Kommunikation weniger eine reine Kommunikations-Methode als viel mehr ein Leitfaden, um in eine erwachsene, bewusste Lebenshaltung zu kommen und sich
beruflich und persönlich voll und ganz zu entwickeln.

 

Denn das Modell der GFK handelt nicht allein davon, zukünftig in der Kommunikation auf bestimmte Worte zu verzichten oder in jedem Gespräch höchst wohlüberlegte Formulierungen exakt nach dem 4-Schritte-Modell der GFK (siehe weiter unten) zu wählen. Es geht auch nicht ausschließlich darum, einen wertschätzenderen Umgang mit anderen Menschen zu erlernen und Konflikte mit anderen schneller lösen zu können.

 

Die GFK hilft uns vor allem dabei, ein Bewusstsein für die Konflikte in uns selbst zu erlangen und
unterstützt uns dabei, unsere eigenen Gedanken, Gefühle und tagtäglichen Muster zu erforschen.

Dieses neu gewonnene Selbstbild ermöglicht uns dann im nächsten Schritt neue Handlungsstrategien und letztendlich eine neue Lebenshaltung zu entwickeln, die uns dabei unterstützt, uns in idealer Weise zu entfalten, gemeinsam mit Anderen erfolgreich und glücklich leben und arbeiten zu können sowie Konflikte mit unseren Mitmenschen zu vermeiden oder schneller lösen zu können.

 


Das Dach der GFK

Eigenverantwortung

Viele Menschen neigen dazu, die Verantwortung für ihr Wohlbefinden in die Hände von Anderen zu geben. Sie wünschen sich, dass andere Personen dafür sorgen, dass es ihnen gut geht, oder geben Anderen die Schuld für ihr Unwohlsein. Damit begeben sie sich in ungesunde Abhängigkeiten, die viel Konflikt- und Unzufriedenheitspotenzial birgen.

 

Die GFK fördert an oberster Stelle unser selbst-verantwortliches Denken, Fühlen und Handeln und lässt uns unser Leben selbst in die Hand nehmen!

 


Die 3 Säulen der GFK

ACHTSAMKEIT

 

Achtsamkeit ist die Fähigkeit, sich selbst (die eigenen Gedanken, Gefühle und das eigene Verhalten), aber auch andere Personen oder Situationen mit voller Aufmerksamkeit und klarem Bewusstsein zu beobachten - ohne zu bewerten oder direkt zu reagieren!

Sie ist elementar, um...

...sich selbst und Andere besser kennen und verstehen zu lernen,

 

...Ordnung und Klarheit in die eigenen Wünsche und Bedürfnisse zu bringen,

 

...sich der eigenen Blockaden und Ängste bewusst zu werden,

 

...den Freiraum zu gewinnen, aus einer Vielzahl von Strategien und Handlungsoptionen zu wählen,

 

...unangenehme Emotionen schneller aufzulösen,

 

...wirklich selbstbestimmt und eigenverantwortlich zu agieren!

Emotionale intelligenz

Sie ist unsere Fähigkeit, unsere Gefühle und die unserer Mitmenschen (z.B. unserer Mitarbeiter, Kollegen, Partner oder Familienmitglieder) zu deuten! Durch sie erlangen wir Kenntnis über unsere Bedürfnisse und Blockaden.

 

Wer lernt, welche Emotionen es gibt,  wie sie sich äußern und wie sie wirken, kann...

...das eigene Verhalten und Verhaltensmuster verändern,


...schnellere und deutlichere Entscheidungen treffen,

 

...klar über die eigenen Wünsche und Bedürfnisse sprechen,

 

...souverän in Feedback- und Streitgesprächen auftreten,

 

...emotional stabiler und dadurch leistungsfähiger werden,

 

...langfristigere (berufliche und private) Beziehungen aufbauen!

 

Empowerment

 
Das Wort Empowerment bedeutet übersetzt soviel wie "Ermächtigung, Wirksamkeit, Übernahme von (Eigen-)Verantwortung".
Im Kontext des CoreSelf Empowerment Ansatzes meint es vor allem:

 

1.) Kommunikationsfähigkeit

Die Kenntnisse zu entwickeln, die eigene Sprache und die eigenen Worte so zu benutzen, dass die Mitmenschen Freude  haben, auf unsere Bedürfnisse einzu-gehen und uns beruflich und privat zu unterstützen.

 

1.) Selbstbehauptung
Den Mut zu entwickeln, im privaten oder beruflichen Bereich über
eigene Gefühle, Wünsche und Bedürfnisse zu sprechen und so die eigenen Gestaltungsspielräume und Ressourcen voll auszuschöpfen
sowie ein Gefühl von Autonomie und Selbstwirksamkeit zu generieren.

 



Die 4 Schritte der GFK

 

1.) BEOBACHTUNG
Jede Regung und Reaktion in unserem Körper wird von einem Reiz ausgelöst. Dies lernen wir wahrzunehmen ohne zu bewerten.

 

2.) GEFÜHL

Das Gefühl, welches wir in der entsprechenden Situation fühlen, korrekt zu erkennen und zu benennen ist für den weiteren Prozess sehr wichtig. Denn es ist der Indikator für ein unerfülltes Bedürfnis:

 

3.) BEDÜRFNIS

Sobald  wir herausfinden, welches unserer Bedürfnisse gerade unerfüllt ist, können wir nach erwachsenen Strategien suchen, die die Erfüllung des Bedürfnisses möglich machen.

 

4.) BITTE
Sollte für die Bedürfniserfüllung tatsächlich eine andere Person notwendig sein, lernen wir, eine Bitte zu formulieren.



Was bedeutet eigentlich "gewaltfrei" in der GFK?

Mit Gewalt ist in dem Kontext der GFK vor allem die verbale Gewalt genannt, die ja meist der körperlichen Gewalt voraus oder direkt mit ihr einhergeht. Schuldzuweisungen, Be- und Abwertungen, Vergleiche, Besserwisserei oder Befehle sind nur einige der vielzähligen Gewaltmöglichkeiten in unserer Sprache - und zwar nicht nur gegenüber Anderen, sondern oft auch schon in unserem Inneren. Die GFK lehrt uns, genau diese gewaltvolle Sprache (allein schon in unseren eigenen Gedanken) zu erkennen und in eine gewaltfreie Sprache zu transformieren.

 

Die Gewaltfreie Kommunikation wird häufig auch als

Einfühlsame Kommunikation, Verbindende Kommunikation, Wertschätzende Kommunikation,
Bewusste Kommunikation, Emotional Intelligente Kommunikation oder Achtsame Kommunikation bezeichnet.

 

Ich persönlich verwende die Begriffe  "wertschätzend" oder "achtsam" lieber als "gewaltfrei",

weil ich es schöner finde, den Fokus auf das zu lenken, was die GFK fördert, anstatt auf das, was sie nicht fördert.
Ich mag aber den gedanklichen Ansatz von Marshall B. Rosenberg, weshalb er diese Begrifflichkeit gewählt hat:

Er bezog sich damit auf Mahatma Gandhi und seine gewaltfreie Widerstandsbewegung, bei der er das alte hinduistische Konzept von Gewaltlosigkeit ("Ahimsa" genannt) insbesondere in der Politik anwendete.