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Selbstbewusstsein - was ist das eigentlich und kann man das lernen?

 

Überall, wo ich mich gerade bewege oder (auch digital) aufhalte, springen mir „Tipps für ein starkes Selbstbewusstsein“, „Goldene Regeln für mehr Selbstbewusstsein“ oder „Erfolgs-Trainings für mehr Selbstbewusstsein“ entgegen. Wenn ich einige dieser Berichte dann lese, stoße ich allerdings oft auf Tipps wie „Lächle mehr!“, „Nimm stets eine aufrechte Körperhaltung ein!“, „Mache einfach mal ein paar verrückte Dinge, die Du Dich sonst nicht trauen würdest!“ oder „Setz Dich in Vorträgen zukünftig immer in die erste Reihe!“.

 

Aus meiner heutigen Sicht muss ich sagen, dass es Dir sicherlich ein paar Zweifel nehmen kann, wenn Du Dich aktiv in peinliche Situationen begibst oder Du mit einer aufrechten Haltung lächelnd durch die Welt marschierst. Solange Du Dir aber gar nicht im Klaren darüber bist, warum Dich bestimmte Situationen so verunsichern, wirst Du Deine Zweifel sicher nicht einfach los. Der "echte" Weg zu mehr Selbstbewusstsein führt nämlich nicht einfach nur über eine Veränderung im Außen – er führt über Deinen tiefen Kern! Du musst Dir SELBST zuerst BEWUSST über DICH werden!

 

Was ich also meine, wenn ich zukünftig hier in diesem Blog von Selbstbewusstsein spreche, möchte ich Dir anhand einer kleinen, persönlichen Geschichte beschreiben:

Mir ging es jahrelang so, dass ich innerlich oft an mir und meinen Fähigkeiten zweifelte. So oft habe ich mir mehr Selbstbewusstsein gewünscht. So oft schaute ich auf andere erfolgreiche Menschen und wollte so sein wie sie. So tough. So straight. So stark. So schön. So schlagfertig. So souverän. So ohne Ängste. So ohne Müdigkeit. So ohne Fehler. So perfekt.

 

Auch ich verschlang dabei das ein oder andere „Auf zu mehr Selbstbewusstsein“-Werk. Irgendwann nahm ich mir dann mal ein Herz und sprach mit einer engen Freundin über meine Situation. „Mensch, Hannah,“ sagte ich, „ich wär so gern so selbstbewusst wie Du!“ Wie die mich daraufhin anschaute, kann ich gar nicht in Worte fassen. Ihre Augen wurden groß, ihr Mund öffnete sich, sie schüttelte ihren Kopf und zeigte mir einen Vogel. Und dann sagte sie etwas, mit dem ich nicht gerechnet hatte: „Laura, was redest Du denn da? Ich kenne wenig Menschen, die so selbstsicher rüber kommen wie Du! Ich beneide Dich so oft darum. So häufig denke ich, dass ich so gern so selbstbewusst wäre wie Du!“

 

„Ähemmm… irgendwas kann ja jetzt hier nicht stimmen“, dachte ich mir. Nach außen wirkte ich scheinbar mutig, stark, zielstrebig und voller Energie. Aber erfolgreich war ich trotzdem nur mäßig. Und wirklich erfüllt fühlte ich mich definitiv nicht. Demnach konnte es ja irgendwie nicht reichen, mein Selbstbewusstsein immer weiter nach irgendeinem Punkte-Plan zu trainieren, mich immer wieder in verrückte Situationen zu begeben, vor denen ich mich im Grunde fürchtete, und mich wie eine Schauspielerin immer weiter in irgendwelche Rollen einzuarbeiten.

 

Also begann ich nachzudenken, unterhielt mich mit vielen Menschen, las viel und besuchte Unmengen an Seminaren und Weiterbildungen, und ertappte mich bei etwas: Im Grunde war ich die ganze Zeit nicht auf dem Weg zu mehr Selbstbewusstsein, sondern auf dem Weg zu mehr Fremdbewusstsein!

 

Ich steckte mitten in einer Selbst-Optimierung, die jedoch nicht mein eigenes BESTES ICH zum Vorschein brachte sondern eine ganz ANDERE PERSON aus mir machen sollte!

 

Bisher hatte ich also immer gedacht, selbstbewusst zu sein, bedeutet so zu sein wie jemand ANDERES. So zu sein wie eine gesellschaftlich anerkannte Person oder ein Mensch wie ihn sich vielleicht meine Familie oder andere Personen in meinem Umfeld wünschen. Aber:

Selbstbewusst zu sein, bedeutet (wie es ja auch schon das Wort sagt) sich SELBST wahrzunehmen und sich über seine EIGENEN Werte, Bedürfnisse, Fähigkeiten und Ängste BEWUSST zu werden.

 

Selbstbewusstsein bedeutet, zu verstehen und zu akzeptieren, dass ich nicht Hannah, Paula, Madonna oder meine Mutter bin, sondern Laura. Und dass ich als Laura ganz wundervolle, individuelle Werte, Bedürfnisse und Fähigkeiten habe, die in dieser Welt auch einen Platz haben. Genau so wie Du mit Deinen Werten auch kostbar bist!

 

Wir sind oft so sehr damit beschäftigt, unbedingt so sein zu wollen wie jemand anderes, dass wir uns dabei selbst immer mehr vergessen – und uns dadurch auch immer weiter entfernen von den Fähigkeiten, mit denen wir in unserer Gesellschaft einen sinnhaften Platz haben können.

 

Um selbstbewusst zu sein, sollte man den Blick endlich von den ganzen Vorbildern wegnehmen, die man unbedingt doublen möchte, und endlich den eigenen Wert erkennen. Und damit meine ich, WIRKLICH sich selbst zu entdecken. NICHT das, was andere (Eltern, Freunde, Medien) einem jahrelang als den „richtigen“ Weg oder die „richtigen“ Werte vorgelebt haben.

 

SELBSTBEWUSSTSEIN BEDEUTET, ZU WISSEN

- WAS MIR PERSÖNLICH WICHTIG IST (Deine Werte & Bedürfnisse)

- WAS ICH KANN (Deine Fähigkeiten)

- WAS ICH GEBEN MÖCHTE (Deine Interessen & Leidenschaft)

- WONACH ICH STREBE (Deine Vision)

- WAS MEIN SINN DES LEBENS IST (Dein Antrieb)

 

Gehe diese Punkte doch einmal für Dich ganz in Ruhe durch und schaue, ob Du Dir zu jedem Punkt spontan etwas einfällt. Wenn nicht, ist es nicht schlimm. Denn damit bist Du nicht allein. Viele meiner Klienten sagen beim Durchgehen dieser Punkte: „Laura, ich weiß doch gar nicht was ich eigentlich wirklich will“ oder „Ich weiß überhaupt gar nicht, was ich eigentlich kann!“ oder „Ich lebe irgendwie das Leben, das sich meine Eltern von mir wünschen, und hab irgendwie gar keine eigene Vision!“ oder „Was soll denn bitte der Sinn meines Lebens sein?“.

 

Das kenne ich persönlich auch nur zu gut. Ich selbst bin jahre- (oder gar jahrzehnte-)lang umher geirrt – immer auf der Suche nach meinem „echten“ Kern und dem Sinn meines Seins. Und immer getrieben von dem Gedanken, dass ein stärkeres Auftreten nach Außen mich meinem Ziel näher bringen würde.

 

Erst als ich langsam begann, mich selbst und die Menschen in meiner Umgebung zu beobachten, und aufhörte, mich mit anderen Menschen zu vergleichen (die sich vielleicht sogar selbst den ganzen Tag lang mit anderen verglichen), passierte etwas. Ich begann mich selbst kennen zu lernen und mich selbst zu entdecken. Und stieß dabei auf viel Unerkanntes. Fähigkeiten, die mir selbst nicht klar waren. Gefühle, die ich in dieser Form nicht spüren wollte. Bedürfnisse, die sich plötzlich ganz deutlich bemerkbar machten. Und eine Sinnhaftigkeit meines Lebens in unserer Gesellschaft, den ich zuvor nicht einmal ansatzweise erwartet hatte.

 

Es ist also die Selbsterkenntnis, die vor dem „echten“ Selbstbewusstsein steht!

 

Damit Du Dir die oben stehenden Punkte irgendwann aus tiefstem Herzen beantworten kannst und dann eben auch Dir selbst bewusst sein wirst, musst Du Dich auf einen Weg begeben.

Es ist ein langwieriger Weg mit vielen dornigen Büschen und holprigen Steinen. Aber auch ein wundervoller Weg, an dem es (wie auf jeder guten Reise) auch immer wieder etwas Tolles zu sehen gibt. Erkenntnisse, die Dich staunen lassen. Momente, die Dir ein Lächeln ins Gesicht zaubern. Viele Augenblicke, die Dich in tiefer Verbundenheit mit Dir und Deiner Umwelt sein lassen werden.

 

Genau auf diesem Weg Deiner Selbstentdeckung möchte ich Dich hier in diesem Blog begleiten.

Daher wird es auch gleich im nächsten Artikel eine Stufe tiefer gehen. Ich werde Dir sozusagen Deine Reiseroute aufzeigen, und Dir die wichtigsten „Stationen“ auf deiner ganz eigenen ICH-Entdeckungs-Tour beschreiben. Denn: Ja, man kann Selbstbewusstsein lernen! Aber sicher nicht so wie viele Turbo-10-Punkte-Programme es uns vorgaukeln wollen...

 

Ich freue mich wirklich sehr darauf, Dich Stück für Stück zu mehr Selbst-Bewusstsein in Deinem Inneren und damit dann auch zu mehr Selbstsicherheit und Klarheit im Außen zu begleiten! Du bist (wie jeder von uns) so wundervoll, kostbar und wichtig! Beginn Dir selbst und uns allen zu zeigen, wer da in Dir steckt!

 

Alles Liebe für Dich,

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